Pressemitteilung: Ein brennendes Problem – Waldbrand in Zeiten des Klimawandels / Waldbrände bedrohen die Waldgemeinden in unserer Region

In einem waren sich bei der Podiumsdiskussion am 06.09.2022, zu der Waldkleeblatt-Natürlich Zauche e.V. ein breites Spektrum an Fachleuten zur Diskussion eingeladen hatte, einig: es wird in Zukunft – durch den Klimawandel befeuert im wahrsten Sinne des Wortes – eher mehr als weniger Waldbrände geben. Und diese Brände bedrohen die Menschen in den Waldsiedlungen wie Fichtenwalde, Borkwalde, Borkheide und durch zusätzliche Ansiedlungen mitten im Wald leider gefördert, immer mehr Menschen.

Wie kann das Gefahrenpotential für die Bevölkerung gesenkt werden? Wie kann der Wald vor Bränden geschützt werden? Wie wird der Wald fit in Zeiten sich verändernder klimatischer Verhältnisse?

Um diese Fragen interdisziplinär zu diskutieren hatten wir alle Akteure geladen, um in diesem vernetzten Austausch gute und ausgewogene Antworten und eventuell auch innovative Wege zu finden und zu gehen.

Schon im Vorfeld der Veranstaltung sind interessante Verknüpfungen entstanden u.a. für die Stadt Beelitz, die sich mit Frau Baumann, eine Fachfrau für Waldbrandprävention, beratend zur Seite geholt hat.

Wie aktuell und wichtig die Themen sind, zeigt auch die Teilnahme der Landtagsabgeordneten Frau Wernicke (BVB/Freie Wähler), der Bürgermeisterin von Michendorf, Frau Nowka, des Bürgermeisters von Borkheide, Herrn Kreibich und des Fichtenwalder Ortsvorstehers, Herrn Wagner.

Gleich zu Beginn machte der Landeswaldbrandbeauftragte Herr Engel als Vertreter der Landesregierung klar, diese Waldbrandsaison war heftig und weitere werden folgen. Es hat bis dato etwa 500 Brände in Brandenburg gegeben, bei denen insgesamt ca. 1400 ha Waldfläche vernichtet wurden. In nasseren Jahren, wie 2021, gab es gerade 168 Brände die 41 ha Wald vernichteten.

Die Trockenheit im Winter und Frühjahr zum einen und die stark geschädigten Bäume aus den Jahren 2018 und 2019 wurden als Gründe angeführt. Vor allem der Wegebau für Löschfahrzeuge und Löschwasserentnahmestellen wurden von Herrn Engel als wichtige kurz- und mittelfristige Maßnahmen genannt.

Für die Stadt Beelitz hielt Herr Zado in Vertretung für Herrn Knuth fest, dass die Stadt Beelitz auf einem sehr guten Weg bei der Umsetzung dieser Maßnahmen ist. Mit Frau Baumann an der Seite und der Kompetenz der örtlichen freiwilligen Feuerwehr und des Stadtförsters    plant die Stadt, ein innovatives Konzept zum Schutz der Waldgemeinden zu erarbeiten.

Herr Zado verwies darauf, dass der Wald viele Funktionen habe, deren Wahrung zum Teil Konflikte mit sich brächten wie Erholungswald, Lärmschutzwald, Grundwasserregenerations-gebiet, Holzgewinnung etc.

An erster Stelle für die Stadt stehe aber immer das Schutzgut Mensch.

Die Feuerwehrleitung der Stadtfeuerwehr Beelitz, vertreten durch Herrn Sebastian Klamt lobte das hohe Engagement der Stadt für die Feuerwehr und den guten Ausrüstungsstand der Wehr. Aktuell werde v. a. in die Ausbildung für die zunehmenden Großschadensereignisse investiert. Insgesamt sieht er die Feuerwehr auf einem sehr guten Weg; konstatierte aber auch eine Erschöpfungssituation nach der anstrengenden Waldbrandsaison 2022. Auch er unterstrich, die Gefahren für die Zukunft durch Waldbrände sind stark erhöht. Er begrüßt den Weg der Stadt, neue Wege zu suchen und dabei auf fachliche Zusatzexpertise zu setzen.

Frau Baumann, ausgebildet an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde und der HU Berlin war in den letzten Jahren regelmäßig in der Waldbrandsaison als Angestellte der Feuerwehr in Katalanien in der aktiven und präventiven Waldbrandarbeit tätig. Sie sieht hohen Bedarf, v.a. in der Prävention von Waldbränden in Brandenburg. Auch für sie steht der Bevölkerungsschutz an erster Stelle. Welche Maßnahmen hier zu ergreifen sind, wird diskutiert werden müssen.

Totholz im Wald, ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung zog, gehört auch für sie in den Wald, allerdings nicht überall. Sie verwies darauf, dass ein Präventionsprojekt auch in der Diskussion mit den Bürgern erarbeitet werden müsse.

Herr Hendtke vom Landesbetrieb Fort Brandenburg stellte klar, dass seine Behörde vor allem dafür da sei, den Wald vor Gefahren zu schützen. Die Prävention vor Waldbränden, das massive Umforsten des Waldes hin zu einem Mischwald sei die Aufgabe der Waldeigentümer. Der Schutz der Bevölkerung dagegen sei v.a. Aufgabe der Kommune. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass aus Sicht der Forstverwaltung gerade die Entwicklungen und die Planungen in Beelitz Heilstätten absolut unverständlich seien. In Zeiten des Klimawandels eine Siedlung in dieser Größenordnung hinein in den Wald zu planen, unter Vernichtung von Wald, wird von der Forstverwaltung als äußerst problematisch und kritisch gesehen.

Herr Heinze, der Kreisbrandmeister, äußerte sich ähnlich klar. Aus Sicht der Feuerwehr seien die aktuellen Besiedlungspläne in Wälder hinein nicht mehr zu verantworten! Wald brennt, egal wie gut er aufgestellt ist und wie gut die Feuerwehren ausgerüstet sind. Und wenn dies in Waldsiedlungen passiert, dann könne nur noch gerettet werden; für eine Evakuierung sei dann eventuell keine Zeit mehr. „Also Beine in die Hand und alles bleibt zurück!“ Auch bei der Rettung der Gebäude prognostizierte er für die Zukunft eine mögliche Triage-Lage; also Entscheidungen darüber, welche Häuser zu retten sind und welche nicht. Frau Baumann erwähnte in dem Zusammenhang 55 abgebrannt Häuser durch ein Feuer in Katalonien.

Herr Schmitt, der Stadtförster der Stadt Beelitz erklärte, dass er immer für Innovationen offen wäre und bereit sei, gemeinsam mit der Stadt Beelitz neue Wege zu gehen. So unterstützt er seit langem in der Stadt Beelitz einen intensiven Waldumbau hin zu Mischwald mit einem Engagement, wie wir es uns auch vom Land wünschen würden.

Bei allen interessanten Ansätzen in der Diskussion ist uns an Taten gelegen.

Natürlich ist der Waldumbau eine Generationenaufgabe, wie so gerne immer wieder gesagt wird. Aber hier muss auch festgestellt werden, dass bei der aktuellen Geschwindigkeit von ca. 1400 ha Umbau von Landeswald und ca. 600 ha jährlich von Wald in privater Hand, bei einer Fläche von 1.100 000 ha Wald im Land Brandenburg ca. 550 Jahren benötigt würden. Was sollen wir dazu sagen?

Als betroffene Bürger in Waldsiedlungen konnte uns auch die ausbleibende Antwort auf die Idee, doch zumindest den Landeswald in unserer Region vorrangig umzubauen, nicht wirklich hoffnungsvoll stimmen.

Auch der Prozess der Förderung von privaten Waldbesitzern ist bisher, wie in 2018 noch in Aussicht gestellt, nicht vereinfacht worden. Es mag sein, dass dieser Prozess durch EU-Gelder und Verordnungen komplizierter geworden ist – doch wie immer, wenn es einen politischen Willen gibt kann auch ein Weg gefunden werden.

Diskutiert wurde auch, wie können private Waldbesitzer ins Boot geholt werden, wenn Brandschutzstreifen / Brandriegel angelegt werden sollen? Mehrfach wurde von Bürgern gefordert, dass auch hierfür gesetzliche Grundlagen (wie in anderen Fällen z.B. bei Corona) geschaffen werden, um einheitliches Vorgehen durchzusetzen.

Das Problem der Wasserversorgung und des Schutzes der Wasserreserven erkannte der Vertreter des Umweltministeriums an. Lösungsansätze auch für Großverbraucher wie Industrie und Landwirtschaft werden diskutiert.

Wir gehen davon aus, dass der Diskussion nun auch Taten folgen. 550 Jahre für den Waldumbau bei dem aktuellen Tempo stimmen wenig hoffnungsvoll.

Wir bleiben dran, denn für uns als Naturschützer und auch betroffene Anwohner von Waldgemeinden brennen beide Themen unter den Nägeln – um noch mal im Bild zu bleiben.

Unsere nächste Veranstaltung ist in Vorbereitung. Wir gehen davon aus, dass uns diese Lösungen näherbringt.

Nicht nur an die Betroffenen ergeht unser Aufruf, diskutieren Sie mit und bringen Sie sich ein um einen guten Weg zu finden!

Pressemitteilung Endfassung

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