Kontroverse um Waldbrandschutz in Beelitz / Standpunkt BI Naturwald

Vor dem Hintergrund der Waldbrände der letzten Jahre auf dem Stadtgebiet von Beelitz (OT Fichtenwalde und OT Beelitz) stellt die Stadt derzeit ein Waldbrandschutzkonzept auf und legt Musterflächen zum Waldbrandschutz an. Um diese Flächen entspannt sich eine kontroverse Diskussion. S. dazu u.a. die ausführliche Berichterstattung in der MAZ vom 08.05.2023, vom 22.06.2023 und vom 16.06.2023. In diesem Zusammenhang veröffentlichte die BI Naturwald folgende Stellungnahme:

Sicherer in die Zukunft / Leben im Wald in Zeiten des Klimawandels

Für jeden von uns ist die Herausforderung zu spüren; wir leben in unruhigen Zeiten. Für Menschen, die im und nahe am Wald leben gehört die zunehmende Gefahr durch vermehrte Feuer in Wäldern dazu. Dabei sind zwei wesentliche Punkte zu beachten:

  1. Monokulturen von Nadelbäumen, wie wir sie hier in der Region vorfinden, brennen leichter als Laub- und Mischwälder.
  2. Über 95% aller Brände werden von Menschen verursacht! Die Gefahr geht vom Menschen aus – nicht vom Wald.

Und vielleicht eine dritte generelle Aussage: letztlich kann jeder Wald brennen. Eine absolute Sicherheit vor Waldbrand kann es nur ohne Wald geben.

Im Auftrag der Stadtverwaltung wurde ein Konzept erarbeitet, welches nach dem Grundsatz „Bevölkerungsschutz geht vor Naturschutz“ sehr weit gehende Maßnahmen vorsieht, die nach unserer Auffassung in der BI Naturwald kontraproduktiv sind. Würden wir diesem Konzept folgen bei dem wir Wald in bestimmten Zonen zu komplett ausgeräumten Mono-Stangen-Plantagen umbauen, die gerade heiß und trocken werden, würden wir all die Qualitäten des Waldes zerstören und immer noch mit dem Restrisiko Brand leben müssen. Da wäre eine komplette Rodung schon fast sinnvoller. Das kann nicht die Lösung sein.

Und hier beginnt das Spannungsfeld, für das eine Lösung gefunden werden muss, mit der wir alle gut leben können. In Zeiten von zunehmendem Hitzestress sorgt der Wald für eine höhere Lebensqualität. Bäume kühlen, geben Schatten, sie minimieren die Verdunstung und sorgen für die Bildung von Grundwasser. Je höher der Laubanteil, desto besser kann der Wald seiner Funktion für die Regeneration des Grundwassers v.a. im Winter nachkommen. Natürlich erhöhen Bäume die Qualität der Luft und für uns in Fichtenwalde, so nahe an der Autobahn, bedeutet der Wald Lärmschutz und Feinstaubfilter.

Es gibt ein sehr breites Spektrum an Forschungsergebnissen zu möglichen Maßnahmen. So fordert der Waldexperte Prof. Pierre Ibisch, Wissenschaftler an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, die Wälder nicht auszulichten, da dieses zu mehr Hitze und  Austrocknung führt. Er fordert, um einen Wasserrückhalt zu ermöglichen, müssten die speichernden Humusschichten im Waldboden erhalten werden. „Dafür brauchen wir Totholz, statt Aufgeräumtheit in den Wäldern.“

Dass ein forcierter starker Waldumbau hin zu Mischwald dringend erforderlich ist, wird von niemandem bestritten. Die Stadt Beelitz hat sich auf den Weg gemacht und baut ihren Wald konsequent um. Mehr private Waldbesitzer zum Waldumbau zu motivieren ist eine der großen Aufgaben, denen sich die Politik im Land widmen sollte.

Die Feuerwehren haben große Fortschritte gemacht bei den Erfahrungen in der Waldbrandbekämpfung. Hier ist u.a. wesentlich, dass Wasser zur Verfügung steht. Dazu sind neue Brunnen gebaut worden. Ein anderer wesentlicher Faktor ist der Zugang zum Brandherd. Auch hier sind große Fortschritte gemacht worden.

Der Vorschlag des vorgelegten Konzepts, ca. 100 Meter tiefe komplett ausgeräumte Kiefer-Stangen-Wälder zu schaffen erscheint uns nicht sinnvoll. Es würden heiße, trockene Korridore entstehen, die eher als Brandbeschleunigungsstreifen wirken würden. Zusätzlich würden diese trockenen und heißen Bereiche zusätzlich Stress für den Wald schaffen und Hitzeeintrag in den Wald und in den Ort fördern. Auch würde hier Lärmschutz und Wasserschutz komplett ins Gegenteil gekehrt.

Aus Berichten wird deutlich, dass vor allem die Schneisen im Wald eine Kaminwirkung haben. Hier wäre eher zu befürworten, dass Schneisen verkleinert werden und v.a. mit Laubbäumen bepflanzt werden.

Dazu kommt, dass diese Lösung nur dort möglich ist, wo der Wald der Stadt gehört. Generell empfehlen wir Ansätze, die überall den Schutz der Bevölkerung erhöhen würden und durchführbar sind:

Wir halten hier die Pflege der schon bestehenden Gastrassen als Schutzstreifen für sehr viel sinnvoller. Dazu sollten alle Waldwege, die sowohl als Waldbrandwundstreifen wirken wie auch als schnelle Zuwegung im Brandfall, gepflegt und gut befahrbar gehalten werden. Dazu empfehlen wir die Strategie anderer Bundesländer, die Laubholzriegel meist mit Eichen und Buchen als angrenzende Schutzzone nutzen. Waldbrandwundstreifen sollen rund um die Siedlung geschaffen werden. Diese müssen befahrbar gestaltet sein, damit die Feuerwehren von hier aus die Siedlung schützen können.

Für alle Grundstücksbesitzer sollten Beratungstermine angeboten werden, wie das Grundstück sicherer zu gestalten ist. Auch hier gilt, je mehr Laubbäume desto besser. Inwieweit im Einzelfall Fällgenehmigungen für diese Grundstücke für Bäume erteilt werden müssen, die direkt an Häusern stehen und deren Kronen über die Häuser reichen wäre ein weiterer Punkt, der diskutiert werden sollte. Auch könnten Schulungen für die Bürger angeboten werden.

Wir freuen uns sehr, dass wir die Stadt durch unsere Argumente überzeugen konnten, noch einmal in die Diskussion zu gehen, um ein ausgewogenes Konzept mit den Stimmen vieler Experten für unsere außergewöhnliche Situation zu erarbeiten. So wurden die großflächigen Rodungen entlang des Brücker Weges auf 100 m Tiefe gestoppt.

Ich möchte das Postulat, dass von der Stadt Beelitz ausgegeben wurde – Bevölkerungsschutz geht vor Naturschutz – nochmal aufgreifen. Wir werben für einen anderen Ansatz: Der Schutz der Bevölkerung hat immer oberste Priorität für alle Handelnden, das setzen wir als selbstverständlich voraus. Aber wir werben für die Prämisse: Bevölkerungsschutz bei maximal möglichem Wald- und Naturschutz!

Artenreicher Mischwald und ein umfassendes Waldbrandmanagement muss das Ziel sein. Wir setzen auf die Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure wie Forst, Feuerwehr und Bevölkerung, um durch gute Zusammenarbeit, Schulung, Vorbereitung und Information bestmögliche Sicherung aller zu erreichen.

Im Namen der BI Naturwald im Waldkleeblatt – Natürlich Zauche e.V. Meike Johannink

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