Windkraftprojekt (WEG 26) Lühsdorf – Klappe 2

Von Waltraud Plarre: Es war am 20.11.2018 die Fortsetzung der Diskussion über ein Windkraftprojekt mit vorerst fünf Anlagen (je 230 m hoch) im Wald von Lühsdorf. Der Ort des Treffens, die wunderschöne Kirche in Lühsdorf, hat leider nicht den Blick in eine helle und frohe Zukunft öffnen können.´Jedoch die Schuldfrage war schnell geklärt durch die Rede von Bürgermeister Knape frei nach dem Motto – Politik ist nicht die Lösung, sondern das Problem! Es waren zusammengekommen: 10 Vertreter der Investoren und deren Unterstützer, ca. 10 Einwohner und ca. 10 Außerirdische aus dem Umland, um über das Für und Wider von Windkraft im Wald im Allgemeinen und in Lühsdorf im Besonderen zu diskutieren und gemeinsam in der winterlich kalten Kirche zu frieren. Die Moderation hatte wieder Frau Knuthe vom Kompetenzzentrum Naturschutz und Energie (KNE) übernommen. Die offenen Fragen aus der letzten Runde konnten nur

zum Teil beantwortet werden, die Darstellungen des Investors und seiner Helfer waren allesamt sehr wortreich und nicht immer eindeutig richtig. So behauptete die Juristin des KNE, dass die Sicherheitsleistungen der Investoren für den Rückbau ausreichend seien. Die Preise für Kranarbeiten in großer Höhe, die Abtransporte des 3.500 t Abbruchs und dessen Recyceln sowie die Sprengung der ca. 30 m tiefen Stahlbetonfundamente, meinte sie, für 100.000 € abwickeln zu können. Für wenig glaubhaft wurde ihre Behauptung eingestuft, dass Wald vom Bundesverwaltungsgericht nicht mehr als Tabu-Kriterium gelten solle, obwohl das Waldgesetz einzig und allein dem jeweiligen Bundesland obliegt. Es haben ca. 7 Bundesländer den Waldverbrauch für Windkraft ausgeschlossen! Brandenburg leider nicht! Der Hinweis einer Bürgerin auf die positive Einstellung des Weltklimarates zur Aufforstung und speziell auf die öffentliche Rede des bekannten Klimaforschers, Prof.Dr. Mojib Latif, dass es international kein Vorbild sei, Wald für angeblichen Klimaschutz abzuholzen, brachte ihr zwar Applaus aber kein kritisches Wort der Veranstalter zum “politisch gewollten Waldverbrauch” für Windräder. Befremdlich war auch die Antwort von der Landschaftsplanerin und vom Vertreter des Investors Energiequelle auf die Frage, wie viel Fläche je Windrad und Zuwegungen im Wald abgeholzt werden muss. Sie sahen eine Fläche von 0,5 ha als ausreichend an, aber einige sachkundige Bürger hatten Bauanträge der Fa. Energiequelle gelesen und konnten die Fläche mit 1,5 ha (inklusive Zuwegungen) genauer angeben. Der Förster, Herr Herbst, verwahrte sich gegen den Begriff “minderwertiger Wald”, der von den Planern als Rechtfertigung für das Abholzen im Lühsdorfer Wald für Windräder benutzt wurde. Ihm ist dieser “Fachbegriff” nicht bekannt. Der Bürgermeister betonte seinen geringen Einfluss auf die Regionalplanung, weil Treuenbrietzen bisher nicht Mitglied in der Regionalversammlung sein durfte. Warum er trotzdem seine demokratischen Mitbestimmungsrechte als “Träger öffentlicher Belange” nicht für eine Ablehnung des Projektes nutzt, bleibt angesichts vorhandener 76 Anlagen auf seiner Gemarkung sein Geheimnis. Er sieht den politischen Willen hinter dieser Planung als verbindlich für seine Kommune an! Das angedachte Konzept einer Beteiligung der Bürger am Ertrag der Windräder hat noch keine Konturen, und die unbekannte Größe der zu erwartenden Einspeisung von Windstrom schafft noch keine Gewinner auf Bürgerseite. Über die Interessen der Bürger an Erholungswald, tägliches Erleben der wunderbaren Tier- und Pflanzenwelt in ihrer nächsten Umgebung und die unwiederbringlichen Verluste an Lebensqualität wurde auch heute nicht gesprochen. Die Tatsache, dass ein Stiftungskonto aus der Windindustrie gefüttert wird, wurde auf Nachfrage ein Thema. Der Bürgermeister rechtfertigte diese Praxis damit, dass das Konto nur von den Bestandsanlagen gespeist würde – natürlich ist das so und wenn die heute geplanten mit kommunaler Hilfe bald auch Bestand haben, dann füttern auch diese die Stiftung! Die trauernden Seelen der Naturfreunde des Dorfes werden vermutlich daran kaum ihre Freude haben.