WKA und Vogelwelt

Liebe Waldkleeblätter, liebe Besucher unserer Homepage, in loser Folge informieren wir Sie ja seit Anfang 2015 über „Risiken und Nebenwirkungen“ von Windkraftanlagen (WKA/WEA). Unseren fünften Beitrag haben wir der Problematik WKA und Vogelwelt gewidmet.  (Die Zusammenstellung der Informationen erfolgte wieder dankenswerterweise durch Fam. Prof. Goette aus Borkheide). Rotorschlag, Absturz durch Luftverwirbelung, Mastanflug in Panik-Situationen − die Liste der tödlichen Vogel-Unfälle an WKA ist lang. Das Michael-Otto-Institut rechnet mit bis zu 100.000 Todesfällen im Jahr deutschlandweit. An der Spitze der Verlustlisten durch Kollision mit Rotoren liegen die Greifvögel. Sie suchen gezielt die ‚Windparks‘ auf, die guten Jagderfolg versprechen (Mäusereichtum auf Freiflächen, gehäuft verunglückte Tiere). Die intensive Konzentration auf die Beute und die falsche Einschätzung der Rotorgeschwindigkeit führen dann zu tödlichen Unfällen.Besonders oft kollidiert der Rotmilan mit WKA, die sich in den letzten Jahren zur häufigsten Todesursache dieser streng geschützten Vogel­art entwickelt haben. Gut 50% des Rotmilan-Weltbestandes brütet in Deutschland, allein 8% im Bundesland Brandenburg. Die Staatliche Vogelschutzwarte im LUGV Brandenburg warnte bereits beim Stand der Windkraft von 2012, daß deren weiterer Ausbau zu einer „signifikanten Erhöhung des Tötungsrisikos im Sinne des §44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG“ füh­ren werde, und schätzte die jährliche Kollisionsrate in Brandenburg auf 308 Tiere. Da überwiegend Altvögel betroffen sind, kommt es darüber­hinaus zu Verlusten der Nachzucht. Trotz der großen Verantwortung, die Brandenburg für die Rotmilan-Population trägt, wurden 2012 die „tierökologischen Abstandskriterien (TAK)“ für den Vogel durch minis­teriellen Erlaß gestrichen, um dem Ausbau der Windenergie auch in den Wäldern Raum zu verschaffen.

Ebenso nutzen Zugvögel auf ihren Wanderungen regelmäßig den Luft­raum in Rotorhöhe, für sie werden die Anlagen besonders bei schlechter Sicht (z. B. bei Nebel) zur Gefahr. ‚Windparks‘, die in wichtigen Flug­korridoren oder Zugrouten liegen, können darüber hinaus eine Barriere-Wirkung entfalten.

Störungsanfällige Vogelarten verlieren durch den Ausbau der Wind­kraft dringend benötigte Lebensräume (sog. Scheuchwirkung von WKA), Zugvögel wie Gans und Kranich wichtige Rastplätze. An Waldstand­orten von WKA sinkt die Anzahl von Vogelbrutpaaren im Vergleich zur natürlichen Referenzfläche.

Die Länderarbeitsgemeinschaft der Staatlichen Vogelschutzwarten erarbeitete im Oktober 2006 auf Helgoland Empfehlungen zum Schutz der Vogelwelt bei Planung und Bau von WKA; im Jahr 2007 wurde das „Helgoländer Papier“ erstmals vorgelegt. Eine überarbeitete, dem aktuel­len Kenntnisstand angepaßte Fassung durfte wegen Behördeneinspruches, der die Publikation von der Zustimmung des Bundesverbandes Wind­energie (BWE) abhängig machen wollte, erst im März 2015 veröffentlicht werden.

Mehr Informationen zum Thema:

J. Bellebaum u. a., Kollisionskurs − Rotmilanverluste in Windparks in Brandenburg

T. Dürr − T. Langgemach, Greifvögel als Opfer von Windkraftanlagen

T. Langgemach u. a., Verlustursachen bei Rotmilan (Milvus milvus) und Schwarzmi­lan (Milvus migrans) im Land Brandenburg

T. Dürr, Vogelunfälle an Windradmasten

K. Richarz, Energiewende und Naturschutz. Windenergie im Lebensraum Wald. Deutsche Wildtierstiftung 11. 11. 2014

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