Resümee nach zwei moderierten Podiumsdiskussionen zum Thema „WKA im Wald?“

Am 29.08.2014 und am 01.09.2014 hatte ich die Gelegenheit, für das „Waldkleeblatt-natürlich Zauche e.V.“,  die Podiumsdiskussionen in Borkheide und Bliesendorf mitmoderieren zu dürfen.

Die Podiumsdiskussionen fanden anlässlich der Landtagswahl am 14.09.2014 mit den Landtagskandidaten der SPD, CDU, LINKE, Grüne, FDP und AfD aus den Wahlkreisen 18 und 19 statt.

Diskutiert wurden die konkreten Probleme der Windeignungsgebiete WEG 24 „Bliesendorfer Heide“ und WEG 25 „Windpark Beelitz“ und die Energiepolitik der Parteien speziell zur Thematik Windräder im Wald.

Warum? Sicherlich kennt sie jeder, die Bilder vom weiß in der Sonne glänzenden Windrad am blauen Himmel. Im Vordergrund das gelb leuchtende Rapsfeld. Daneben das Braunkohlekraftwerk mit schwarzem Rauch der zum grauen Himmel aufsteigt.

Bei solchen Bildern kann es nur eine Entscheidung geben. Nein zu Braunkohlekraftwerken und ja zu Windrädern! Doch ist die Welt, die diese Bilder vermitteln, wirklich so einfach und klar?

Warum wird dann die Zahl der Bürgerinitiativen gegen den Bau von Windrädern in ganz Deutschland immer größer? Und warum hält die Welt die Deutschen nach Aussage unseres Bundeswirtschaftsministers Gabriel wegen dieser Windrad-Politik für Bekloppte?

Bis zum 22. August 2013 hatte auch ich den Bildern vom umweltfreundlichen Windrad vertraut. An diesem Tag fand in Beelitz eine Veranstaltung zum Thema Waldbrand und Windkraftanlagen im Wald statt. Die Aussage eines Feuerwehrmannes aus Fichtenwalde, der 1976 den Wipfelbrand bei Ferch miterlebt hatte, bei dem das Feuer über die Autobahn sprang und wieder zurück, hat mich wachgerüttelt!

In den Waldgemeinden Borkheide, Borkwalde und Fichtenwalde leben wir schon mit der ständigen Gefahr, dass ein Waldbrand entstehen kann, deswegen müssen wir nicht noch zusätzlich einer Waldbrandgefahr durch Windräder ausgesetzt werden!

Windradbrände können aus den unterschiedlichsten Gründen nicht ausgeschlossen und nicht gelöscht werden! Durch die wachsende Höhe der Windräder werden sie nach Einschätzung der Feuerwehr bei Gewitter zunehmend zu einem Angriffspunkt für Blitzeinschläge mit Brandfolge. Vor allem von brennenden sich in hohem Tempo drehenden Rotorblättern geht dann eine besonders hohe Gefahr aus! Erst recht wenn brennende Teile abgeworfen  werden!

Unser Waldgebiet ist gekennzeichnet durch besondere Trockenheit, Kiefernbestand (im Fall eines Brandes fliegen die Kiefernzapfen wie brennende Feuerbälle mehrere Meter weit) und durch die Kämpfe kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges unter General Klenk ist mit Munitionsresten zu rechnen. Dies hat im Ernstfall ein Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr zu bedenken, wenn seine Kameraden überhaupt zur Verfügung stehen und nicht im ca. 45 km entfernten Potsdam oder gar in Berlin zur Arbeit sind!

Deswegen kam die Antwort von Herrn Günter Baaske (SPD) zum Thema Brandschutz bzw. Brandgefahr durch Windräder in der Borkheider Podiumsdiskussion nicht gut an, als er fragte, ob man keinen Schuppen mehr baut, nur weil zwei Schuppen abgebrannt sind?!

Hier geht es nicht um einen Schuppen sondern um Wohnsiedlungen inclusive Kindergärten und Schulen in mitten von Kiefernwald!!! Das Gebiet umfasst ca. 7.000 Menschen!

Ganz anders stellt sich dagegen die Windrad-Problematik in der Bliesendorfer Heide dar.

Aufgrund eines von der Stadt Werder beauftragten Artenschutzgutachtens und des unermüdlichen Einsatzes von einem ehrenamtlichen Naturschutzhelfer konnte im WEG 24 Bliesendorfer Heide ein großer Artenreichtum nachgewiesen werden. Unter anderem die nach EU Anhang I besonders geschützten Vorkommen von Rot- und Schwarzmilan, See- und Fischadler. Die Vogelschutzwarte hat ein Gutachten erstellen lassen, aus dem hervorgeht, dass bei einem weiteren Ausbau der Windenergie im Land Brandenburg, die Population des Rotmilans stark gefährdet ist, da er keine Vermeidungsstrategien gegen Windräder hat und seine Schlaf- und Ruhezeiten im Wald sind.

Für den Rotmilan  gibt es in Brandenburg kein tierökologisches Abstandskriterium – das heißt, die Landesregierung verstößt damit gegen Bundesnaturschutzgesetze und gegen EU-Recht!

Außerdem gibt es in diesem Gebiet viele Fledermausarten, die neben der Insektenvertilgung auch immer mehr die Bestäubungsaufgaben der Bienen übernehmen. Sie sind daher für ein Obstanbaugebiet wie Werder (Havel) existenziell wichtig!

Zusätzlich wurde in diesem Gebiet eine Vernässung durch Anstauung vorgenommen, die zunehmend Wat- und Wasservögel anzieht.

All dies passt nicht zur Waldkartierung nach der das WEG 24 Bliesendorfer Heide bewertet wurde. Nach Aussage der Forstbehörde wurden die Biodiversität und der tatsächliche Waldzustand (Kleinteiligkeit, Baumvielfalt u.a. alte Eichen, Bodenrelief der Dünen) nur unzureichend dargestellt!

Die Krux; die Landesregierung lässt aber als Bewertungsmaßstab nur die Waldfunktionskartierung zu! Damit können die Wälder, die keine Landschaftsschutzgebiete sind und zu 98% als Nutzwald kartiert sind, für die Windenergie genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Doch so unterschiedlich die beiden Windeignungsgebiete hinsichtlich Trockenheit oder Artenreichtum sind, ein Problem werden beide haben (und auch andere WEG’s), wenn es zur Aufstellung von Windrädern kommen würde.

Internationale Studien belegen eine mögliche Gesundheitsgefährdung durch hörbaren und nichthörbaren Infraschall. In England gibt es einen Mindestabstand von 3.000 m (House of Lords: 26.07.2010 Wind Turbines (Minimum Distances from Residantial Premises)). Eine Kanadische Studie empfiehlt 2.000 m als Abstand (Knopper, 24.05.2014).

Das Robert-Koch-Institut in Deutschland sieht weiteren Forschungsbedarf. Die Machbarkeitsstudie von Bundesumweltministerin Hendrichs zum Infraschall wurde erst vor kurzem begonnen.

Der vom Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung und dem Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz derzeit empfohlene Abstand von 1.000 m zur Wohnbebauung wird den heutigen Anlagen (Höhe und Leistung sind größer geworden) und Erkenntnissen zur Gesundheitsgefährdung nicht mehr gerecht!

Durch die Änderung des § 249 im BauGB werden die Bundesländer ermächtigt, bis zum 31.12.2015 eigene Abstände von Windrädern zu Wohnbebauungen festzulegen.

Die Bürgerinitiativen des Waldkleeblatt-natürlich Zauche e.V. fordern einen Mindestabstand der 10 fachen Gesamthöhe (10 H) der Windräder zur Wohnbebauung auch zu kleineren Siedlungen im Außenbereich!

Thema der Podiumsdiskussion in Borkheide waren auch Fragen zu den Planverfahren wie Regionalplan und Teilflächennutzungsplan.

Es gibt im Land Brandenburg fünf Regionale Planungsgemeinschaften. Gemeinden unter 10.000 Einwohnern sind dort nicht durch ihre Bürgermeister vertreten. Hier sollte eine Änderung des Planungsverfahrens erfolgen!

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Beelitz hat den Teilflächennutzungsplan verkleinert, so dass nur noch wenige Windräder in den Wald gebaut werden können, obwohl eigentlich niemand ein Windrad im Wald will! Nur, dass zu zeigen, ist für die Stadtverordneten nicht einfach, da Verhinderungsplanung sofort zur Anwendung des Regionalplanes (mit mehr Windrädern) führt!

Wer hat sich solche unfairen Spielregeln ausgedacht? Wo bleibt da der Bürgerwille und die Demokratie?

Glauben wirklich alle Politiker, dass Deutschland mit dem Bau von Windrädern die Welt retten kann?

Deutschland emittiert jährlich knapp 1 Milliarde Tonnen CO2  (weltweit 31 Milliarden Tonnen). Dies sind ca. 3% des weltweiten Ausstoßes. China bringt es auf eine jährliche Steigerungsrate in dieser Größenordnung! Was wir einsparen, legt China drauf! Rund ein Drittel des deutschen CO2-Ausstoßes  ist für den Stromsektor relevant! Somit liegt der Anteil der deutschen CO2 Emission bei weniger als 1% am weltweiten CO2-Ausstoß!

Um so merkwürdiger ist dann die Aussage des angeblichen Einflusses  des WEG 24 Bliesendorfer Heide auf Luft und Klima:“Der Bau von Windenergieanlagen hat auf die standörtlichen Bedingungen des Klimas keinen erheblichen Einfluss. Auf das globale Klima hat die ressourcenschonende Art der Energiegewinnung durch Windnutzung positive Auswirkungen.“ ?!

Potsdam-Mittelmark hat mit seinem Ausbau von 4% der Fläche als Windeignungsfläche seine Hausaufgaben gemacht. Dafür gab es schon vier Leitsterne (von der Windenergie). Warum muss Brandenburg führend beim Ausbau von Windenergie sein und bleiben? Wieviele Leitsterne brauchen wir noch?

Zum 1. Januar 2000 sollte es zu einem großen Fehler kommen, die Welt würde abgeschaltet werden, viele Firmen zusammenbrechen. Weltuntergangsszenario. Heute schreiben wir das Jahr 2014.  Es gibt genügend Kritiker, die die Weltklimaveränderung als ebensolche Panikmache bezeichnen.

Die Suche nach alternativen Energiequellen ist löblich, entscheident ist das wie!

Es erstaunt mich, dass ausgerechnet die brandenburgische SPD brav zum Erreichen der deutschen energie- und klimapolitischen Planungsziele hinsichtlich Ausstieg aus den fossilen Energieträgern am Bau weiterer Windräder festhalten will und sich die brandenburgische CDU entschlossen gegen den weiteren Ausbau von Windrädern im Land Brandenburg stellt, obwohl die Bundeskanzlerin bekanntlich zur CDU gehört. Um so mehr erfreut mich der Widerstand der CDU.

Planungsziele kann und muss man den Realitäten anpassen. Das Beispiel der ehemaligen DDR sollte das gezeigt haben. Durch die zunehmende Ausrichtung auf Sonne und Wind als Energiequellen steht die Energiestabilität und die Wirtschaftskraft unseres Landes auf dem Spiel! Das Referat von Dr. Reichel, Vorstandsmitglied von E.Dis, am 27.08.2014 in Berlin in Anwesenheit von Herrn Oettinger, EU-Kommissar, zeigte, dass noch vor 6 Jahren jährlich nur 7 Eingriffe ins Stromnetz notwendig waren, heute sind es 2 am Tag!

Liebe Mitstreiter unserer Bürgerinitiativen, liebe Leser dieser Zeilen, wir haben immer eine Wahl!

Nutzen Sie die Landtagswahl am 14. September 2014 und treffen Sie die richtige Wahl!

Britta Bayer

Sprecherin der Bürgerinitiative Borkheide-Borkwalde „Im Gegenwind“ und Mitglied im Vorstand „Waldkleeblatt-natürlich Zauche e.V.“

 

 

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