Sorge um Werders Waldgebiet

Im „Werderaner Gespräch“ des Heimatvereins ging es am 19.01.2016 um den Umweltschutz. Dazu das Nachstehende von Herrn A. Klein aus Werder: Nichts gegen eine zielstrebige, maßvoll gesteuerte Energiewende, aber lasst dabei unsere Wälder aus dem Spiel! Mit diesem Appell an die Landesregierung könnte man das Ergebnis des ersten diesjährigen „Werderaner Gesprächs“ zum Thema „Der Werderaner Wald ist in Gefahr“ zusammenfassen. Zwei engagierte Frauen der Umweltvereinigung „Waldkleeblatt-Natürlich Zauche e.V.“, die Bliesendorfer Ortsvorsteherin Eveline Kroll und die Historikerin Eva Bogda, IMG_6442malten in zwei Vorträgen mit Filmeinblendungen ein beängstigendes Bild von der Bedrohung regionaler Wälder besonders durch leistungsstarke Windkraftanlagen. Im Blick hatten sie dabei vor allem das zusammenhängende Waldgebiet der Gemarkung Bliesendorf am Südhang der Glindower Platte mit seinen aus zwei Eiszeiten hervorgegangenen Dünen und Mulden, mit Ton- und Lehmböden, wasserführenden leicht sauren Sandschichten u.a., wo neben Kiefern auch Eichen, Buchen, Lärchen und Bergahorn gedeihen.Filmisch wurde das vielfältige Leben in derartigen Wäldern verdeutlicht. Ein Rehkitz zwischen Altholz, Schmetterlinge, ein Buntspecht auf Nahrungssuche, eine saugende Biene an farbenfrohen Blüten, im Boden wühlende Wildschweine, eine Spinne beim aufwändigen Netzknüpfen, schattenspendende Bäume, mühsam über Blätter kletternde Käfer, wärmende Sonnenstrahlen, Schatten spendende Bäume … Und mitten hinein in die emotionale Versunkenheit der Zuschauer ein zweiter Filmstreifen: erschütternde Aufnahmen, wie aus dem Soonwaldsteig, einem beliebten Wanderparadies zwischen Saarland und Mittelrhein, durch übereilte, konzeptlose Planung eine teilweise kahlrasierte Mondlandschaft mit einer bedrohlichen Windräderwand entstand. Touristen gibt es dort kaum noch. Niemand hat etwas gegen eine sinnvolle, nachhaltige wirtschaftliche Nutzung des Waldes. Aber müssen es denn gleich 200 Meter hohe, mehr als drei Megawatt leistungsstarke Windkraftanlagen sein? „Pro Windrad müssten mindestens 450 Bäume gefällt werden und für den gesamten Windpark 25000 Bäume, denn auch die Wege müssten von vier Meter auf mindestens acht Meter verbreitert werden“, so Kroll. Und was würde geschehen, wenn auf diese Weise darüber hinaus der natürliche Waldverbund mit seinem Innenklima und seinen vielfältigen Funktionen in Bezug auf die Tier- und Pflanzenwelt erheblich gestört wird? Dass immer höhere, heute schon mit 60 Meter langen Flügeln, ihren Dauer- und Blitzlichtwarnsystemen, weithin hörbaren Geräuschen usw. das Wohlbefinden der ländlichen Bevölkerung beeinträchtigen, ist allgemein bekannt. Die Aufmerksamkeit des Publikums im Saal des Schützenhauses stieg allerdings, als Referentin Kroll auf die nachweislich gesundheitsschädigenden Infraschallwellen zu sprechen kam, die Körperorgane von Mensch und Tier vibrieren lassen. „Die Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen sind Schlafstörungen, Herzrasen, Herz- und Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck, bei Kindern Epilepsi, Tinnitus und Nervosität.“ Wilde Tiere verlassen in der Regel das Revier, doch die Menschen, die Dorfbewohner? Die fünf Kilometer vom Bliesendorfer „Windeignungsgebiet 24“ entfernte Stadt Werder hat unter anderem aus Artenschutzgründen den Bau von Windkraftanlagen in der Bliesendorfer Heide abgelehnt, und sie weiß auch sonst noch warum: „Die technogene Entstellung der Landschaft ist für die Stadt Werder (Havel) als Staatlich anerkannter Erholungsort mit dem Wirtschaftsfaktor Tourismus eine existenzielle Bedrohung“, meint Kroll. Für die beiden Referentinnen bedeutete die Veranstaltung des Heimatvereins zugleich einen Werbeeffekt für Unterschriften zum Volksbegehren „Größere Abstände zur Wohnbebauung (2 km) und keine Windkraftanlagen in Wäldern“, das am 6. Juli endet.

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